Die Misere der Deutschen Baukultur

Was macht Orte, was macht Bauwerke lebenswert und liebenswert? Warum fühlen wir uns durch bestimmte Formen der Architektur inspiriert, durch andere abgestoßen? Alles Erdenkliche wurde versucht, um menschengemäße Städte zu bauen. Was lässt Menschen trotzdem aus Städten weggehen? Warum wird Stadtflucht sogar zum Problem für viele Regionen? Wie sehen die Gebäude, wie sehen die Nachbarschaften aus, in denen wir in Zukunft leben wollen. Auf dem Kongress "Baukultur in Deutschland" (3.-5. Dezember 2001) hielt der Jenaer Philosoph Prof. Dr. Wolfgang Welsch eine bemerkenswerte Rede. Als Leitkategorien urbaner Baugestaltung definiert er "Atmenkönnen, Atmosphäre, Weite". Seine Forderung an Planer und Architekten: Vorrang für eine transhumane Perspektive! Bauwerke und Städte seien zu "Bedürfnisanstalten" verkommen, nicht nur in Großsiedlungen, die sich rational an den Wohnbedürfnissen orientierten, sondern auch dort, wo neuerdings der Spaßfaktor bedient werde. Genau besehen stimme es gar nicht, dass der Mensch das Maß der Welt sei und er sich folglich die Welt nach seinem Wunsch einrichten könne. Genetik und Informatik hätten längst begonnen, das menschliche Privileg der Einzigartigkeit zu demontieren. Wir kämen weiter, würden wir den Menschen als einen Teil der Natur begreifen. Wenn wir anfingen, in Prozessen und größeren Zusammenhängen zu denken, und wenn wir aufhörten zu erwarten, wir könnten alles planen. Es ist an der Zeit, dass sich die Menschen auch beim Bauen und Wohnen wieder als Teil eines Ganzen begreifen. Die egozentrische, eng-menschliche Baukultur aufgeben und sich mehr von der Welt bzw. der Natur inspirieren lassen.

Schöne Grüße vom Stüppershof!


Peter Hetfeld